Verpackungen bei glutenfreien Produkten – Spagat zwischen Sicherheit und Ökologie

Schnitzer Glutenfrei - Verpackungen

Schnitzer Glutenfrei BiscottiNachgefragt – In unserer Community Zöliakie Austausch wird ein Thema immer wieder heiß diskutiert: der viele Verpackungsmüll bei glutenfreien Lebensmitteln.

Viele von uns machen sich große ökologische Gedanken über die Mengen an Plastik, die nach dem Einkauf im Müll landen. Vielen Mitgliedern, denen Umweltschutz und Nachhaltigkeit extrem wichtig sind, stellt dieser Verpackungsaufwand oft einen großen inneren Konflikt dar.

Warum unsere Lebensmittel trotzdem so aufwendig verpackt sind und welche Gedanken sich die Hersteller dazu machen, erfahrt ihr in diesem Beitrag.

Warum sind Verpackungen überhaupt notwendig?

Verpackungen erfüllen bei Lebensmitteln gleich mehrere essenzielle Zwecke. Neben dem offensichtlichen Schutz vor dem Verderben, vor Feuchtigkeit und Transportschäden, sind sie vor allem Informationsträger. Das Lebensmittelinformationsrecht schreibt vor, dass Verbraucher eine fundierte Wahl treffen können müssen und Lebensmittel sicher verwenden können

Deshalb müssen Verpackungen zwingend Zutatenverzeichnisse und rechtliche Informationen enthalten. Zu den verpflichtenden Angaben in Europa und vielen anderne Ländern zählen beispielsweise die genaue Bezeichnung des Lebensmittels, die Nettofüllmenge, das Mindesthaltbarkeits- oder Verbrauchsdatum sowie der Name und die Anschrift des Herstellers.

Auch die Nährwerte nehmen eine großen Platz auf der Verpackung ein.

Für uns als Zöliakiebetroffene ist die wichtigste Funktion natürlich die Deklaration von Allergenen wie eben glutenhaltigem Getreide, die im Zutatenverzeichnis optisch hervorgehoben werden müssen (z. B. durch Fett- oder Kursivdruck, Unterstrichen oder durch Großbuchstaben)

Diese Informationen müssen laut EU-Verordnung in einer für die Verbraucher in verständlichen Sprache verfasst sein, wobei die Mitgliedstaaten fordern können, dass die Angaben in ihrer jeweiligen Amtssprache erfolgen. Da viele glutenfreie Produkte international vertrieben werden, müssen die Verpackungen oft verschiedensprachig gestaltet sein.

Hinzu kommt, dass es je nach Land unterschiedliche rechtliche Anforderungen geben kann. All diese Informationen, Sprachen und Warnhinweise benötigen schlichtweg Platz auf der Verpackung.

Nachgefragt: Warum sind glutenfreie Kekse oft nochmals einzeln verpackt?

Schnitzer GlutenfreiheitUm den ökologischen Bedenken und Fragen unserer Community auf den Grund zu gehen, haben wir bei Herstellern nachgefragt. Wir wollten wissen, warum gerade Kekse in Kleinverpackungen mit viel Plastik gehüllt sind.
 
Eine sehr detaillierte Antwort haben wir von der Firma Schnitzer aus Offenburg erhalten, die wir hier für euch zusammenfassen.
 
Schnitzer hat sich im Vorfeld der Produktentwicklung intensiv mit der Verpackungsthematik auseinandergesetzt. Sie haben sich bei ihren Keksen (Biscotti) bewusst für sogenannte Twin-Bags, also das Abpacken in Zweier-Einheiten, entschieden.

 
Dafür nennt der Hersteller drei Hauptgründe:
  1. Schutz vor Kontamination: Die Zielgruppe von Schnitzer besteht größtenteils aus Zöliakiebetroffenen. Hier darf es zu keinerlei Kontakt mit Glutenspuren kommen. Öffnet man eine große Sammelpackung, wären die restlichen Kekse ungeschützt. Die Twin-Bags stellen sicher, dass die verbleibenden Biscotti vor Kreuzkontamination in der Küche geschützt bleiben, während man die erste Portion bereits genießt. Um hierbei den Kompromiss zur Nachhaltigkeit zu wahren, wurde nicht jeder Keks einzeln verpackt, sondern eine sinnvolle Portionsgröße von zwei Stück gewählt.
  2. Sicheres Snacken für unterwegs: Ein Twin-Bag ist die ideale Größe für Handtaschen, Vesperdosen oder Snack-Boxen. Egal ob man in ein Cafe geht oder zu einer Kinderfeier, auch außerhalb der eigenen vier Wände bleiben die Kekse so absolut sicher vor Gluten geschützt.
  3. Erhalt der knusprigen Textur: Neben dem Geschmack ist die Textur entscheidend. Die Unterteilung schützt die verbleibenden Kekse vor dem Austrocknen oder Weichwerden, sodass auch Tage nach dem Öffnen der äußeren Schachtel noch ein knuspriges Genusserlebnis garantiert ist.

Diskussionspunkt Einzelverpackung: Was bedeutet eigentlich „100% recyclebar“?

Uns ist bewusst, und das bestätigt auch der Hersteller, dass vor allem die Tatsache, dass die BISCOTTI im Inneren nochmals einzeln verpackt sind, im täglichen Gebrauch den größten Erklärungs- und Diskussionsbedarf auslöst.
 
Die Sicherheit der Betroffenen und der Schutz vor Kreuzkontamination im Alltag machen diese Art der Verpackung aus Sicht von Schnitzer jedoch notwendig.
Dem Hersteller liegt es am Herzen, Genuss und Sicherheit zu bieten, dabei aber die Nachhaltigkeit nicht aus den Augen zu verlieren. Daher wird für die Twin-Bags eine Folie verwendet, die zu 100 % recyclebar ist.
 

Doch was bedeutet „recyclebar“ in der Praxis genau?
 
Kurzgefasst: Werden die leeren Folienverpackungen nach dem Genuss der Kekse korrekt im gelben Sack entsorgt, können sie in den Sortieranlagen der Abfallwirtschaft als wertvoller Rohstoff erkannt werden. Im Anschluss werden sie von Recyclern gewaschen, aufgeschmolzen und zu neuem Kunststoff weiterverarbeitet. Die Verpackung bleibt somit zu einem Anteil im Wertstoffkreislauf erhalten.
 
Fazit: Die Verpackung glutenfreier Produkte bleibt ein Kompromiss. Die strengen rechtlichen Vorgaben zur Lebensmittelinformation und unser medizinisches Bedürfnis nach absolutem Kontaminationsschutz fordern ihren Tribut in Form von Material. Durch bewusstes Recycling und das stetige Feedback von uns Betroffenen an die Hersteller können wir aber gemeinsam an nachhaltigeren Lösungen arbeiten.

Weitere Aktivitäten von Schnitzer

Zu den ökologischen Aktivitäten und Maßnahmen die Schnitzer unternimmt, könnt ihr hier auch noch einiges nachlesen. https://www.schnitzer.eu/pages/nachhaltigkeit

Reduzierung der Verpackungsmaterialien

Zusätzlicher Fokus: Einsparung der Sekundärverpackung

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